Schlechte Embryonalentwicklung

Von schlechter Embryonalentwicklung spricht man, wenn sich die Embryonen in den  Tagen nach der Befruchtung zu langsam teilen oder gar in der Entwicklung stehenbleiben.  Zusätzlich kann man im Labor die Qualität der Embryonen beurteilen (Scoring) und kann aufgrund von verschiedenen Parametern (z.B. unregelmäßig große Zellen, Bruchstücke von Zellen oder Fragmente) die Einnistungswahrscheinlichkeit von Embryonen vorhersagen.

Mögliche Gründe für schlechte Embryonalentwicklung

  • Hochgradig eingeschränkte Samenqualität (z.B. Kryptozoospermie oder Verwendung von Hodenspermien)
  • Verminderte Eizellqualität (z.B. erhöhtes mütterliches Alter, Hormonstörungen, schlechtes Ansprechen auf die Stimulation, Übergewicht)
  • Genetische Störungen des Embryos
  • Infektionen
  • Schlechte Laborbedingungen (z.B.: Nährmedien, Temperaturschwankungen, Brutschrank etc.)

Abklärung

Kommt es während eines IVF Versuchs zu einer schlechten Embryonalentwicklung, sinkt zwar die  Erfolgschance, dennoch sollte man - wenn die Embryonen nicht komplett in ihrer Entwicklung stehenbleiben - den Versuch weiterführen.

Tritt keine Schwangerschaft ein versuchen wir durch weitere Abklärungsschritte mögliche Ursachen auszuforschen wie z.B.:

Therapeutische Möglichkeiten

In Abhängigkeit der Befunde stehen eine Vielzahl von Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Infektionen der Prostata müssen ausreichend lange antibiotisch behandelt werden, eventuell können zusätzlich kurz vor der Follikelpunktion nochmals  Antibiotika beim Partner verabreicht werden.

Bei hochgradig eingeschränkten Samenbefund (keine beweglichen oder normal geformten Samenzellen im Ejakulat) kann man eine Verbesserung durch die Samengewinnung direkt aus dem Hoden erzielen (Hodenbiopsie - TESE). Schilddrüsenstörungen (v.a. grenzwertige - latente Schilddrüsenunterfunktionen) gehören optimal korrigiert.

Finden sich bei der Chromosomenuntersuchung Auffälligkeiten im Erbgut sollte die weitere Prognose in Abhängigkeit des genetischen Befundes durchgesprochen werden. In manchen Fällen bietet eine Präimplantationsdiagnostik des Embryos Vorteile.

Um die Eizellreifung während der Stimulation zu optimieren, empfehlen wir den Wechsel des Stimulationsschemas und der Hormonpräparate. In Abhängigkeit der Hormonbefunde kann es sinnvoll sein mögliche Störungen auszugleichen (zB.: niedrig dosiertes Cortison bei erhöhten männlichen Hormonen oder Senkung eines erhöhtes LH Spiegels vor der Stimulation).

Schlechte Laborbedingungen sollten vor allem in einem großen, modernen IVF Labor aufgrund von regelmäßigen Qualitätskontrollen ausgeschlossen sein.

Therapeutische Ansätze gibt es bei schlechter Embryonalentwicklung aber auch von Laborseite. Einerseits besteht die Möglichkeit Embryonen in unterschiedlichen Nährmedien zu kultivieren. Andererseits kann durch gezielte Befruchtungstechniken (z.B. pICSI, IMSI etc.) in manchen Fällen der Verlauf verbessert werden.

Der Zytoplasmatransfer (das Einspritzen von  Zytoplasma (= Zellbausteinen ) von jungen unbefruchteten Eizellen) kann eine Verbesserung einer verzögerten Embyonalentwicklung bewirken, die durch natürliche Alterungsprozeße des Zytoplasmas der Eizelle entstanden ist. Diese Technik ist in Österreich verboten.

Ebenso verboten, aber oft der letzte Ausweg bei wiederholt schlechtem Embryonalverlauf, oder Stopp in der Embryonalentwicklung bietet die Eizellspende.